Stichword-Archiv: Sicherheit

von Ulf Matzen / am 01.02.2018 / in

Rettung im falschen Moment

Sommer 2010, ich war Mit-Segler auf einer DehlerDelanta 80.

Ein Kurztörn vor der Haustür ging zu Ende, in unserem Fall vor unserem Campingplatz „Loddenhoj“ gegenüber von Barsö im kleinen Belt. Wir hatten auflandigem Wind Stärke 4 und so nah vor der Küste war dann meist hoher Schwell.

Mein Schwager, Skipper seiner „Be Happy“ stand am Rad und fuhr mit mir unter Großsegel den Aufschießer zu seiner Mooring- Boje.

Ich kniete – den Bootshaken in der Hand – am Bug, Punkttreffer, Boje am Haken, kurze gewohnte Kommentare, es harmonierte.

Dann kam das Unerwartete:

Als ich mich bäuchlings unter der Seereling nach dem an der Boje hängenden Festmacher streckte, passierte es, es knallte, die Sekumar Automatik- Rettungsweste musste sich an der Klampe verhakt haben und blies sich blitzschnell und geräuschvoll auf (leider gleichzeitig mit dem Fallen des Großsegels).

Ich war eben im Begriff gewesen, den Karabiner in das Auge am Bug einzuhaken, da presste mir der Luftdruck in der Weste unerwartet die eigene Luftzufuhr ab, immehin klemmte mein Hals unter der Seereling, ich bekam keine Luft mehr…

Kurz geschockt verpasste ich den Moment und das Festmacher- Tau straffte sich. Ich bekam Zug auf den Arm, gleichzeitig wurde mir schwarz vor Augen.

Zum Schreien fehlte mir die Luft in den Lungen, das Ventil konnte ich blindlings nicht ertasten und hinter der Sprayhood, aus der Plicht konnte mein Schwager nicht sehen was mit mir geschah.

Vielleicht klarte er auch bereits das Boot auf und ich steckte durch die Rettungsweste eingeklemmt, nach Luft schnappend, hier unter dem Relingdraht, während mein Arm immer länger zu werden schien.

In meinem Bewusstsein war neben dem verzweifelten Wunsch nach Luft, gleichzeitig auch die Notwendigkeit, uns festzumachen, denn hätte ich losgelassen, wäre unser Boot in der Brandung unweigerlich auf Grund gelaufen.

In einer letzten Anstrengung klinkte ich in einem Wellental den Karabiner ein und tastete erneut nach dem Ventil, da endlich stand mein Schwager über mir und half mir aus der Klemme.

Die Anspannung löste sich in unserem herzhaften Lachen, doch als wir danach die Situation analysierten, wurde uns bewusst, dass ich mich allein, (womöglich noch in schwerer See, wie wir sie bei Ostwind oft vor unserer Küste haben) nicht hätte retten können. Und natürlich wurden unsere Kommandos nach diesem Vorfall wesentlich präziser, z.B. erst nach dem Kommando “ Boot fest“ fällt das Groß.

Trotzdem, eine Rettungsweste könnte manchmal vielleicht tödlich sein.

Ulf Matzen