Stichword-Archiv: Reflexion

von Ulf Matzen / am 28.02.2018 / in

Draußen haben wir momentan -5 Grad Celsius. Immerhin ist es hell, aber die Noch jungen Osterglocken und Schneeglöckchen liegen unter einer Dicken Schneedecke begraben.

Von meinen wöchentlichen Besuchen in der Elmshorner Leihbücherei bringe ich vermehrt Segelbücher und Zeitschriften, wie Yacht und Palstek mit nach Haus. Im Moment lese ich zwei Bücher parallel: Wilfrid Erdmanns neues „Kathena, Logbuch nach Norden“ und Detlef Jens „Land’s End“. Dazu sehe ich Abends die Video Blogs von Nike Steiger: „Untie the Lines“ und freue mich wie verückt auf meinen ersten Ostseestammtisch am 10.03.18 im Restaurant Kajüte an der Alster.

Alles untrügliche Zeichen, dass ich wieder raus aufs Wasser muss.

Was ich in den Büchern unter anderem zu finden hoffe? Persönliche Einsichten von Menschen die ihre Beziehung zum Meer beschreiben.

Ich muss gestehen, mir fehlen da die Worte, unbeschreiblich trifft es wohl ganz gut. Je nach Situation, geht es mir auf dem Wasser wie in einer Beziehung mit Menschen. Mal bin ich überglücklich, mal vor Erfurcht ganz erfüllt.

Die Geschichen einiger Menschen inspirieren mich dazu, selber intensiver hin zu spüren.

Gerade bei schnellen Wetterwechsel, versagendem Material, oder drohenden Gefahren und anderen eher kritischen Momenten nehme ich mich im Hier und Jetzt ganz bewust wahr, warum wohl?

Als im vorletztes Jahr im NOK der Motor streikte, während der Frachter von Achtern immer näher kam, neben mir die steinige Uferböschung, kein Ton vom Motor, dafür aber das tiefe Tuten des Dampfers, dem ich langsam in den Weg zu treiben drohte, was fühlte ich da? Panik, nein! Irgendwie laufen viele Prozesse gleichzeitig ab, noch mal den Motor versuchen zu starten, unerlaubterweise Segel hoch? Etwa Ankern, hier im Fahrwasser? Nun, in dem Fall war glücklicherweise einigermaßen Wind im Kanal und ich konnte mich mit flatternder Fock in Sicherheit bringen. Jetzt ist es eine interessante Geschichte, aber die flauen Gefühle stellten sich merkwürdigerweise erst kurz darauf ein, als ich an der Giselauschleuse übernachtete und die Situation Revue passieren ließ. (Nebenbei bemerkt, der Motor lief dann wieder einigermaßen, aber die Rutschkupplung auf der Schraube war locker. Mitten in der Schleuse Brunsbüttel verlor ich die Schraube, manuevrierunfähig, von ober schreit die Schleusenwärterin und das Schraubenwasser der Schute droht uns gegen das Tor zu drücken, natürlich alles gleichzeitig, also da geht noch was.)

Allein geht es bei mir tatsächlich irgendwie immer, ziemlich egal, was geschieht. Improvisation ist mein zweiter Vorname! Anders ist es für mich mit Begleitung, speziell mit meiner Familie. Da scheine ich zuviel richtig machen zu wollen, da ist dann eine Unsicherheit, die ich allein nicht habe und die sich unterwegs mit Freunden nur ansatzweise zeigt. Immerhin scheine ich seglerisch inzwischen einigermaßen gefestigt genug zu sein, denn auf der Tour mit Lilli letzten Herbst auf der rauen Nordsee hatten wir einige Herausforderungen gemeistert:

Laut Logbuch auf dem Hinweg bei 6Bft Wind gegen Welle und Tide im Surf übers Seegatt nach Den Helder, dann nach 10 Stunden im Rest des Sturms bei 6-8 Bft. auf dem Ijselmeer, gebrochene und zerbogene Motoraufhängung, abgesoffener Motor, Pinnenpilot über Bord und in pechschwarzer Nacht in den unbekannten Hafen Den Oever und auf dem Rückweg um Mitternacht nach ca. 16 Stunden Fahrt auf Höhe Schiermonningkoog lange Stunden im Gewitter, dabei einmal im Stockdunkel die typischen Windreher um 180 Grad, orientierungsloses im Kreis drehen, der zweite Pinnenpilot über Bord. Alles intensive Situationen, aber nie Angst. Immer Vertrauen in Mange Tak und in uns. Gut, Nervösität ist da, eine Spannung, auch Unsicherheit, aber Angst, nein bisher nicht.

Aber ich bin inzwischen besser vorbereitet, umsichtiger, vorsichtiger!

Und ich habe ein tiefes Urvertrauen, dass letztlich alles gut ausgeht.

Also, toi, toi, toi … und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

K