Rückschau 2019 und Vorschau 2020

von Ulf Matzen am 21.01.2020 / in Blog


Mange Tak ist im Winterlager.

Längst überfällig ist es Zeit für eine Rückschau auf die vergangene Saison 2019 und eine Vorschau auf nötige Arbeiten am Schiff und mögliche Touren in diesem Jahr.

Glücklicherweise ist im letzten Jahr nicht viel kaputt gegangen, nur eine wichtige Kleinigkeit in einem sehr ungünstigen Moment, aber dazu später mehr.

Vor dem Slippen Ende April 2019 musste im vergangenen Jahr doch mehr erledigt werden, als geplant. (Siehe Beitrag: Mastring, Motor und Deckslayout)

Beim alljährlichen Zwischenstopp auf dem Hof meines Freundes und Bootsbauers Jan waren eigentlich nur übliche Arbeiten am Unterwasserschiff vorgesehen.

Das heißt, vor dem Polieren musste der Rumpfes mit Oxalsäure und Hochdruck gereinigt werden. Beim Anschleifen half mir diesmal meine Tochter Lilli, dann kam das erneute Streichen des Antifoulings. Außerdem hatte ich den Vergaser meines Motors zur Wartung gegeben, aber Yamaha hat unmögliche Mond-Preise für den Dichtungssatz. Der Motorschlitten war wie vorgesehen verstärkt worden und der eigentlich neue Mastring musste nachgeschweißt werden nachdem mir das Auge für den Baumniederholer ausgerissen war. Für das Silverrudder Race 2019 hatte ich mir noch rechtzeitig ein neues wenig gebrauchtes Großsegel aus Dänemark gekauft und 3 Reff-Reihen einnähen lassen und der verbogene Vorstag-Wantenspanner war gegen einen neuen ausgetauscht worden.

Dabei sah ich 2 Tagen vor dem Slipptermin, dass auch der Bugkorb verbogen war und allein den zu demontieren war schon eine Herausforderung. Aber die kurzfristige Suche nach einer Firma gestaltete sich unmöglich. Jan half mir mit dem Kontakt zu einer Sanitärfirma gleich nebenan und schon am gleichen Abend war der Bugkorb einigermaßen gerade gebogen und konnte wieder montiert werden.

Als MANGE TAK am 27.04.19 im Wasser war – beim Slippen half mir wieder Lilli –  klappte eigentlich alles, bis auf die Kleinigkeit, dass der Windex verkehrt herum montiert war. Doch die Tide wartet nicht und die Tour durch den NOK stand an, also blieb es erstmal dabei. Von Kiel bis nach Barsø war Lilli mit an Bord und wir hatten eine wunderbare Tour. Ein kleines Missgeschick trieb das Boot beim Warten auf die Brücken-Öffnung mit ca. 3 Knoten Strom unter die Sonderborg Brücke. Wir kamen wieder frei, doch die Backbordwant und vor allem das Achterstag hatten ordentlich Kontakt mit der Brücke. Von oben flogen Rostplacken herunter.

Also musste ich zu Beginn der Anfang Juni stattfindenden alljährlichen „Väter und Söhne-Tour“ in den Mast aufentern, wofür ich mir zuvor extra eine Kletterausrüstung mit Grigri-Abseilautomat, Seilklemmen und selbsgenähten Fußschlaufen zugelegt hatte.

Gott sei Dank war alles in Ordnung und bei der Gelegenheit wurde auch gleich der Windex gedreht.

Diese „Väter und Söhne-Tour“ war insofern eine Prämiere, als dass diesmal auch bei mir an Bord mein Sohn Bodhi mit segelte.

Unser Kurs ging 8-9 Tage von Barsø über Fænø, Endelave, Tunø, Endelave, Strib, Årø wieder zurück nach Barsø und war wie immer ein voller Erfolg. Für einige der anderen Boote war es sicher alkoholischer, aber bestimmt nicht fröhlicher als für uns.

Während die Crews von den Schwesterschiffen „Be Happy“ und „Volle Pulle“ schon am Samstag Schluss machten, fuhren Bodhi und ich noch mit meinem Beiboot KIPPLER zu einem lockeren Treffen mit meinem Neffen, der mit seinem Wohnmobil auf der Landzunge Hørup Hav campen wollte. Dort haben Bodhi und ich auf dem Rückweg von unserem Ankerplatz in einer Gewitterfront vor dem Hafen noch ordentlich auf die Mütze bekommen, aber insgesamt gut harmoniert.

Bis zum Silverruder am 20. September habe ich nur kleinere Spritztouren in die nähere Umgebung, z.B. nach Årø, Dyvig und Sønderborg gemacht.

Dann aber war es endlich soweit, mit einem Zwischenstopp auf Lyø habe ich auf dem Weg nach Svendborg schon mal im Dunkeln trainiert und Bekanntschaft mit der Fähre gemacht. Allein der proppenvolle Hafen war ein Erlebnis, alle Segler geschäftig auf ihren Booten und doch eine entspannte Atmosphäre bei schönstem Kaiserwetter.

Ich wollte bei meiner ersten Regatta einfach nur dabei sein, hatte ich mir vorgenommen, doch das Fieber ist ansteckend. Meine Teilnehmernummer war 112 in der Gruppe der Keelboat mini.

 

In meiner Gruppe der 18-25Fuß Kielboote gab es inmitten von rund 60 Schiff

 

en noch 3 weitere Spækhugger. Einer davon war mit einem Rollgenakker an einem mobilen Bugspriet ausgerüstet. So einen will ich auch!

Regatta-Verlauf ohne zu Kreuzen ist nach Karte minimum 135 Nm

Wind angekündigt Schwachwind 2-4 Kts, doch bei Fynshoved waren es laut den Anzeigen meiner Mitsegler  in Böen 55 Kts, laut Bericht in der Zeitschrift Yacht sollen es dann 8 Bft gewesen sein.

Beim Start rund Fünen in östliche Richtung mit Westwind um 3-4Bft zogen plötzlich alle um mich herum ihre Leichtwindblasen und ich blieb schnell mit meiner angeschlagenen Genua in hinteren Drittel.

So machte ich die Erfahrung, dass schnelle Segelwechsel gut vorbereitet sein müssen. Die meisten anderen kurvten vor dem Start nur unter Groß, hatten aber Genoa, Gennakker und Spi bereit zum setzen. In dem engen Fahrwasser mit den vielen Booten um mich herum war außer an Manövrieren an nichts zu denken, umso überraschter war ich, dass direkt neben mir plötzlich ein Skipper wie ein Affe in den Mast aufenterte, um ein Wuhling zu beseitigen.

Ich hatte dann zwar doch noch den Spi gesetzt, aber der immer spitzer werdende Kurs zwang mich wieder zur Genoa zu wechseln. Auch da bemerkte ich fehlendes Training, denn später funktionierten die Abläufe viel schneller.

Bis zur Nordspitze Fünens versuchten alle mit minimalen Kreuzschlägen bei zunehmendem Wind Höhe zu knüppeln. Die Genoa musste schon bald nach der großen Beltbrücke der Fock weichen. Kurz vor der Spitze Fünens hatten wir schon ca. 6-7 Bft und mussten weit nach Norden, um mit möglichst wenigen Schlägen an Fynshoved und Æbelø vorbei zu kommen. Dort fuhren einige kleine Seascapes und andere mit vielen Schlägen nahe der Küste und nicht wenige gaben auf, darunter auch 2 Spækhugger ,einer mit Mastbruch, denn inzwischen hatte der Wind nochmal zugenommen und es war schon dunkel.

Im Logbuch steht: „am Limit! schiebe Lage bei maximaler Höhe am Wind“.

Nach einem Beilieger um das Vorsegel zu wechseln – während dessen es mir vorkam als würde das gesamte Feld an mir vorbeisegeln – fuhr Mange Tak mit der kleinen Arbeitsfock und 2fach gerefftem Groß wie auf Schienen, so dass ich zeitweilig sogar ohne Autopilot segeln konnte, die Pinne mit Gummiband fixiert. Im Nachhinein haben mir andere Segler von Boen von bis zu 27m/s oder 55 Knoten laut Instrument erzählt, was ca. 10 Windstärken wären, gefühlt waren es eher 8-9 Bft. Unter Volldampf Höhe zu knüppeln rächt sich manchmal dadurch, dass ein Strafkringel nötig wird, d.h. Gerade im Dunkeln ist der Punkt, an dem ich hätte abfallen sollen zu spät bemerkt und die Fock bekommt Gegenbauch und der Bug geht durch den Wind.

Klar nahm ich ordentlich Wasser über und mit dem Regen war es recht ungemütlich, aber im Vergleich zu den Seascape-Seglern konnte ich unter meiner Sprayhood im Niedergang stehen und die vielen Navigationslichter um mich herum bestaunen. Immer wieder musste ich kurz ins Segel leuchten, um Booten auf Kollisionskurs meine Position zu signalisieren. Sogar den Eintopf konnte ich mir kochen, nur nicht einschätzen wo ich im Rennen stand, denn die größeren Bootsgruppen hatten nun auch alle aufgeschlossen, so dass sich dort in der Nacht rund 300 Schiffe in  dem Trichter Richtung Nadelöhr bei Strib konzentrierten. Um 2:22 Groß ausgerefft.

Richtig dankbar war ich den Klebe-Wärmeeinlagen an Füßen und im Nacken, die rund vier Stunden mollige Wärme verteilten.

Eigentlich habe ich die Nacht gut durchgehalten, aber in der Morgendämmerung überfiel mich der Sekundenschlaf bei Fænø, da half mir der Rat eines Apothekers und Extremsportlers, RedBull mitzunehmen. Es schmeckte wie angekündigt eklig nach Gummibärchen, doch zusammen mit der Flora Power Mate kam ich über den toten Punkt und mit zunehmender Helligkeit kamen auch die Lebensgeister zurück. Anders der Wind, der im Laufe der Nacht immer mehr nachgelassen hatte und nun nur noch mit ca. 3-4Bft. wehte. Bei Gammel Ålbø wurde die Leichtwindgenoa fliegend gesetzt.

Schon bei der Einfahrt in den kleinen Belt musste der Spi hoch, denn der Wind kam immer raumer von Achtern. Nun waren die Seascapes in ihrem Element, mit ihren riesigen Gennakkern flogen sie nur so vorbei. Durch eine SMS wusste ich, dass ich auf Platz 24 von nur noch 35 übrig gebliebenen Schiffen war, ich kämpfte mich taktisch voran, jedenfalls kam es mir so vor.

An Årø vorbei blieb der Spi bis Lyø oben, wobei der Wind weiter abnahm und östlicher drehte, so dass ich zeitweilig mit Spi auf Halbwindkurs fuhr.

Dann gerade, als ich mich an einen Konkurrenten aus meiner Gruppe heranschlich, kam der Spi runter. Der Kopfwirbel im Bergeschlauch war gebrochen und der Spi unterm Schiff. Also Spi geborgen, Leichtwindgenoa fliegend gesetzt, Spi klariert und ohne Socke wieder geheißt, was mich eine halbe Stunde und mindestens 3 Boote gekostet hat. Immerhin bin ich noch in den Svendborg Sund gesegelt, bevor der Strom kenterte und der Windhauch ganz versiegte. Einige hinter mir mussten 6Std. ankern, später rudern und kamen dennoch erst nach Regattaende ins Ziel.

Ich jedenfalls musste im Sund im Fahrwasser recht häufig halsen, daher fuhr ich den Spi fliegend ohne Baum aus der Hand und hätte im Ziel fast noch eine Bavaria 34 überholt, da fehlten nur cm. 

Finisher: 17:07:27  

Time:  31t07m27s 

(Port to Port laut Navionics-Track: 150 Nm x 1860 min = Durchschnitt: 4,8 Kn)

Am nächsten Tag bei der Siegerehrung erfuhr ich dann auch meine Platzierung: Nr. 29 von 35 

Das macht in meiner Klasse „Keelboat Mini“ 31 Aufgaben, von gesamt gemeldeten 66 Schiffen, wenn alle Boote auch gestartet sind.

Keelboat Mini Winner: Klaus Røn Madsen, CaBoom, 25t11m06s war glatte 6 Stunden schneller als ich! 

Die vier ersten waren gleitfähige Racer, Minis und Mini Transit 6,50er mit Code Zero und genau diese zischten allen anderen am Anfang und Ende auf Halbwind- Kurs davon.

Auf den roten Teppich durfte ich dann auch noch. Weil viele Segler schon direkt nach Ende der Regatta nach Hause fuhren, waren bei der Verlosung nur relativ wenige anwesend. Damit war die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns größer und tatsächlich hatte ich den Hauptgewinn gewonnen, nur dass ich das nicht wusste. Der Moderator gab mir als einzigem keinen Preis, sondern murmelte etwas von einer Lampe, die mir zugeschickt werden würde, ich müsse nur meine Adresse und Startnummer aufschreiben. Also bin ich mit leeren Händen auf den Platz zurück, im Kopf das Bild einer Taschen-, oder Kopflampe.

(Als auch Wochen später nichts kam, habe ich mal nachgefragt und mir wurde von Lopolight auf Wunsch eine 3Farben-Mast-Laterne mit Ankerlicht und 30 m Kabel zugesandt, Wow!)

Nichts desto trotz war ich total happy, habe mit mir selbst angestoßen, bin noch ein wenig durch die Stadt geschlendert und habe anschließend den fehlenden Schlaf nachgeholt.

Als ich am Sonntag aufwachte, war der Hafen schon wieder fast leer.

Zeit für den Heimweg, der mich nach Kiel, durch den NOK direkt nach Neuendeich führen sollte. Deshalb war Mange Tak während des Silverrudder Races auch komplett überladen. Verkehrte Welt, ich hatte ja extra noch die 45 Liter Benzin an Bord und alles, was aus Dänemark nach der Saison wieder zurück in die Elbe musste, während vor dem Start um mich herum die Schiffe leer gemacht wurden.

Auch diese Tour startete mit Sonne und schwachem Wind. Da ich relativ spät los fuhr, war mein erster Stop schon auf Birkholm. Dort war ich schon zu lange nicht mehr und traf beim Anlegen auf einen der Silverudder Abbrecher.

Ich wurde von ihm und seinen Freunden zum Essen eingeladen und es wurde ein recht kurzweiliger Abend.

Weiter ging es an Marstal vorbei mit zunehmendem Ostwind in einem Schlag mit Fock und einem Reff nach Kiel. Mit durchschnittlich 8 Knoten flog ich die 38 Seemeilen in 7 Stunden.

Wie immer genoß ich die Einfachheit des Hafens Kiel Holtenau. Bei unschlagbaren 5 € inklusive kostenloser Dusche und nettem Klönschnack am Steg. So wurde ich von anderen Seglern gewarnt, dass der im letzten Jahr neu aufgestellte Automat für die Kanalgebühr kein Papier und sie somit für kein Ticket bezahlt hätten.

Am nächsten Morgen bezog ich die Warteposition vor der Schleuse und machte mir dort meinen Frühstückskaffee.

10L Benzin im Tank und 3x 10L in Kanistern+ 5L Reserve

Die Kanalgebühr bezahlte ich dann hinter der Schleuse am Schlengel.

Ich bin ja eine ehrliche Haut, aber so ganz ohne jede Kontrolle schreit das System gerade zu nach Missbrauch.

Nach unspektakulären 11 Stunden bei bedecktem Himmel und dem ein oder anderen Nieselregen lief ich mit den letzten Litern Reservebenzin in den dunklen Hafen von Brunsbüttel ein. Noch Abends fuhr ich mit dem Taxi zur Tankstelle um 20 L nachzutanken.

Der Motor funktionierte dieses Jahr geradezu vorbildlich, was nach der Wartung aber auch zu erwarten war, aber der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr ist erschreckend.

Am nächsten Morgen um 6:30 öffnete die Schleuse Brunsbüttel und ich wurde mit der einsetzenden Flut in die Sprühnebelsuppe entlassen. Es warteten ca. 3,5 Stunden unter Motor mit der Tide bei durchschnittlich 6-7 Knoten, denn ich wollte gern „Neuendeich“ in der Pinnau, meinen Schlick-Heimathafen der Nebensaison anlaufen.

Wind wollte sich nicht einstellen, dafür blieb es regnerisch, diesig und feucht.

Um 9:50 passierte ich den „roten Mann“ das dreibeinige Seezeichen vor der Pinnau. Man sagt sich, wenn der Rote Mann schon, oder noch nasse Füße hat, kommt man bis an den Steg in Neuendeich.

Fast, denn ca. 3 m vor meiner zugewiesenen Box war erstmal Schluss. Mit weiter auflaufender Flut war ich dann auch schnell am Steg und die längste Tour dieser Saison war beendet.

Fazit, würde nicht meine geliebte Familie warten, könnte es ewig so weitergehen.

Interessanter Weise fehlen im Logbuch die letzten zwei kleinen Abstecher nach Glückstadt, die Spritztouren durch die Haseldorfer Binnenelbe, nach Stade und die Abschlussfahrt nach Uetersen zum Kranen.

Anscheinend waren diese bekannten Gebiete kaum der Erwähnung wert, weil es wie rund Barsø kleine „Heimspiele“ sind.

Erwähnenswert war noch das Mastlegen und Kranen, weil ich mich dieses eine Mal dem Hafenmeister von Neuendeich und 3 weiteren Booten angeschlossen hatte. Das Mastkranen am kleinen Floßkran kannte ich bereits aus einem der letzten Jahre. Am verabredeten Mittwoch den 23.10.19 vor meinem Termin sollte aber erst der viel zu lange Mast einer für den Hafen weit überdimensionierte Yacht gelegt werden. Nur mit vereinten Kräften, mehreren Menschen als Gegengewicht auf dem kleinen Floß, mehr Meinungen als Menschen, Taljen und dem Absägen vieler Äste war der Mast vom Boot und aus den Bäumen zu holen. Danach waren nur noch rund 15 Minuten für meinen vorbereiteten Mast, dann war das Wasser weg und die übrigen mussten am nächsten Tag Mastlegen.

Am Donnerstag fuhren wir dann nach einander bei Hochwasser in den Hafen Uetersen und blieben erstmal stecken. Es gibt dort unter weiten Wasserfläche nur noch eine schmale Rinne von max. 175 cm bis zur Spundwand, die man natürlich auch genau kennen sollte.

Am Freitag, den 25. Oktober sollten unsere 5 Boote von 12:30-14:00 wieder bei Hochwasser einen Tag vor den Vereinsmitgliedern des Uetersener Hafens mit einem bestelltem Kranwagen von Kühl gekrant werden.

Dass dieser Monsterkran sich verspätete, war nur der Anfang.

Nach dem alle bis auf unseren Hafenmeister Jens die Wartezeit bei einem Mittagessen in der Stadt verbrachten und immer wieder abwechselnd auf die Uhr und erwartungsvoll auf‘s Handy schauten, kam der ersehnte Anruf. Der Kran erschien und fuhr die hydraulischen Ausleger aus, es alles sah ziemlich professionell aus. Als der Haken abgesengt wurde, bemerkte ich hinten auf der Trommel einen Überläufer der Stahltrosse und wollte gerade dem Kranführer bescheid sagen, da blockierte alles und der Kran war defekt.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wünschte ich mir, wie auch sonst in Wedel mastgelegt und gekrant zu haben, denn dort ist alles an einem Vormittag erledigt.

Nun warteten wir also auf einen Ersatzkran und bangten, dass er kommen möge, bevor das Wasser weg war.

Durch Glück im Unglück war der Wasserpegel in der Elbe ausnahmsweise zu hoch und die Sperrwerkstore der Pinnau geschlossen, so dass das Wasser erstmal nicht ablief.

Etwa eine Stunde später, so um 15:00 kam der zweite Kran und wir hatten das ungewöhnliche Schauspiel zweier Riesenkräne. Während der eine repariert wurde, kam der zweite zum Einsatz und das Kranen konnte endlich beginnen.

Irgendwann waren zwei parallel im Einsatz und die Boote wurden fachmännisch eines nach dem anderen auf die Trailer gehoben.

Hier wartete die nächste Überraschung, denn durch den Stand auf schrägem Boden mussten bei jedem Boot die Tailerstützen erst abgesengt und das Boot auf dem Kiel austariert werden, nur um dann die Stützen wieder in Position zu bringen. Richtig blöd fand ich allerdings, dass in einiger Entfernung ein paar der dortigen Vereinsmitglieder standen und sich einen Feixten. Auf meine Frage, was denn so witzig sei, meinten sie, tja sie würde die Boote nicht parallel zum Kai auf die schiefe Straße, sondern direkt am Wasser im 90° Winkel neben die Slipbahn setzen, dort sei es ebenerdig und würde natürlich höchstens 10 Min pro Boot dauern. Ist das zu fassen, die stehen daneben und lassen uns ins Messer laufen?

Auf ebenem Boden hätte man die Boote einfach auf die Trailer gesetzt und fertig, aber hier dauerte alles natürlich drei mal so lange. Nicht nur, dass der  geschätzte vermeintlich günstigere Preis durch diese Aktion explodierte.

Nein, es war kaum zu begreifen, nun wollte auch der zweite Kranfahrer seine Anfahrt und Zeit bezahlt haben.

Nach einem klärenden Gespräch war das zwar vom Tisch, aber weit teurer und vor allem nerviger als in Wedel. Beim Kranen viel mir noch die fehlende Mastlampe am Mastkopf auf. Die musste beim an Land verholen des Mastes im Hafen Neuendeich abgerissen worden sein. Fast ohne Hoffnung fuhren Bodhi und ich noch mal in den Hafen und fanden nach einigem Suchen im Schlick unter dem Steg die verlorenere 3Farben/Ankerlicht Laterne.

Ich verbuche das ganze trotzdem als Abenteuer, wenn auch hoffentlich als einmaliges.

Danach blieb nur noch der Transport ins Winterlager.

Ich hatte mit den Iveco meines Bootsbauers ausgeliehen und damit mein Boot auf seinen Hof gezogen. Im Gegensatz zum Kranen in Wedel musste ich mich ja noch um das Reinigen des Unterwasserschiffes kümmern und so war ich Dankbar, seinen professionellen Hochdruckreiniger nutzen zu dürfen.

Weiter ging es die ca. 10 km zur Halle nach Luzhorn, wo ich „Mange Tak“ mit Bodhi‘s Hilfe rückwärts zwischen die Wohnmobile rangierte. Immerhin ragt der Mast ja rund 4 m achtern über das Boot hinaus.

Nun noch die Batterien angeschlossen, den Motor abgenommen, Polster und Kleinkram raus und ab nach Hause. Später habe ich dann den Motor zu Wartung zu dem frisch gebackenen Yamaha Händler Sören nach Elmshorn gebracht und die vollgelaufenen Mastlampe ausgetrocknet.

Bei der Lampe muss ich mich nun zwischen alt und neu entscheiden.

Die alte funktioniert und muss nur noch an dem gebrochenen Schraubsockel geklebt werden. Die neue von Lopolight ist zwar deutlich robuster und wertiger, aber auch erheblich schwerer, was im Masttop einiges ausmacht.

Inzwischen sind Bodhi und ich in Mühlheim bei Freunden und morgen auf der Boot Düsseldorf, um uns mal ohne Vorsatz und Erwartung über die weltgrößte BootsMesse treiben zu lassen.

Trotz Investitionsstau bei Polstern, Beschlägen und Außenhaut von Rumpf und Deck, werde ich in diesem Frühjahr wohl, wenn überhaupt, das ausgeblichene bedürftige Holz in der Kajüte neu lackieren und den Lack an Rumpf und Deck wieder nur reinigen, ausbessern und polieren.

Wichtiger ist für mich als Sicherheitsaspekt das Funktionieren des Motors rechtzeitig zu gewährleisten, denn in diesem Jahr möchte ich nun wirklich einmal früher ins Wasser.

Wahrscheinlich finde ich beim Arbeiten am Boot dann doch noch das ein, oder andere wichtige Projekt.

Für Anfang 2020 stehen schon mal zwei Optionen im Raum, entweder ich nehme das Angebot meines Bruders an und trailer mit Ihm unsere Boote nach Skagen um von dort aus im April eine Woche in die schwedischen Schären zu fahren, oder ich fahre nach Helgoland und mache die Nordseewoche mit, bevor es zur Sommersaison in die Ostsee geht.

Die Jungs der „Väter und Söhne“ Juni-Segeltour haben auch gerade gestern nach einem Termin zum Beschließen des diesjährigen Tour-Ziels gefragt

und Bornholm und Kopenhagen sind auch noch dran.

Die Segelsaison 2020 rückt also näher …

Nachtrag 01.03.2020

Hurra, ich habe einen der 450 Plätze bei diesjährigen Silverrudder Race ergattert.

 

 

 

 

Update 10.03.2020

Endlich ist nach vielen Kontaktversuchen auch die neue App Signal- Mastlampe von der Fa.  Glamox angekommen. Ich hatte im Februar auf der Boot Düsseldorf mit einer freundlichen Dame an deren Stand gesprochen und Ihr von dem Problem der abgefallenen Lampe und dem eingedrungenen Wasser erzählt, sowie von den vergeblichen Versuchen mit der Fa. Kontakt aufzunehmen. Mit dem Versprechen eines kostenlosen Ersatzes war ich glücklich über den Erfolg.

Leider war auch dann wieder niemand bei Glamox zu erreichen und als ich endlich telefonischen Kontakt hatte, stellte sich heraus, das alle meine Mails im Spam gelandet waren, auch über deren eigenes Kontaktformular. Nun jetzt jedenfalls bin ich begeistert von der Kulanz und möchte mich auch auf diesem Weg noch mal herzlich bedanken.

 

2 Kommentare

  • Robert says:

    Hallo, schön deinen Bericht zu lesen. Wir hatten einen netten kurzen Klönschnack in Kiel Holtenau. Da ich den Spaekhugger Klasse fand, habe ich später gegoogelt und dich gefunden. Nun las ich von der Silverrudder 2020 und da bist du mir wieder eingefallen. Ich drücke dir die Daumen und weiterhin viel Erfolg bei deinen Unternehmungen.

    Viele Grüße

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