Herrentour Juni 2018

von Ulf Matzen am 26.02.2019 / in Blog

Wie eigentlich jedes Jahr,

so machte ich auch letztes Jahr mit den beiden Brüdern meiner Frau, und deren Söhnen im Juni eine 8 Tages- Segeltour durch die Dänische Südsee.

Die Route startete traditionell in unserem Heimathafen auf Barsø und wie jedes Jahr sollte es bereits Freitagmittag losgehen, diesmal bei lauen NNO 2-3Bft in Richtung Møn. Und wie so oft war ich kurz nach Mittag startklar und allein. Die blaue Delanta75 „Be Happy“ lag zwar schon am Steg, lag aber verdächtig hoch – weil total leer – im Wasser. Der Motor war zwar rechtzeitig zur Tour fertig, passte aber nicht. Die Beiden waren mit ihren Söhnen noch in Aabenraa um „Volle Pulle“ – das weiße Schwesterschiff von Be Happy zu kranen und um von dort alle gemeinsam mit Proviant und Bier nach Barsø zu motoren.

Spätnachmittag war es dann soweit, Volle Pulle lief voll ein und wurde dann um einiges leichter, dafür wurde erstmal Be Happy tiefergelegt. Dort wo zuvor der Motor war, stapelten sich jetzt Bierpaletten. Und natürlich wurde die Abfahrt vertagt und erstmal gegrillt, was sonst.

Ausschlafen,an den Booten basteln, spät los fahren und rechtzeitig zum Grillen ankommen ist deren Devise.

Für diese Tour versprach der Wetterbericht nach dem Sturm und Regen im letzten Jahr endlich viel Sonne, dafür aber mal wieder wenig Wind aus NNO.

Sa. Barsø – Fynshavn / Fynshavn – Søby (Ærø)

So. Søby via Birkholm, Marstal, Langeland Rtg. Kargenæs Havn auf Lolland

Mo. Kargenæs Havn – Agersø

Di. Agersø – Svendborg Lystbådehavn

Mi. Svendborg – Skarø

Do. Skarø – Avernakø

Fr. Avernakø – Lyø

Sa. Lyø – Barsø

So. Basrø – Loddenoj – Barsø

Gesamtdistanz ca. 184 NM

(Das erste ausführliche Update hat sich leider beim Sichern gelöscht, also fasse ich mich kurz und die Highlight als Essenz zusammen.)

Ich erinnere diese Tour als geselliges, entspanntes Flottillen- Schönwetter- Leichtwind- Segeln mit viel Grillen und Lernerfahrung.

Es ist ein tolles Gefühl, das Logbuch herausholen zu können und zusammen mit den täglichen Tracks auf den Navionics- und iSailor- Apps die Tage noch mal Revue passieren zu lassen. 

Zum Beispiel lese ich gerade, wie ich anfangs bei Flaute noch mit dem Außenborder fuhr, die Selbststeueranlage eingestellt. So konnte ich auf ein Begleitschiff umsteigen, dort in geselliger Runde Spaß haben und Mange Tak beim Fahren unter Autopilot zu sehen und fotografieren.

Dabei fällt mir denn auch gleich das erste Maleur auf, aus dem ich eine Lehre ziehen kann. In den Tracks hatte ich vereinzelt Abbrüche mangels Akku, erst zeigte die Anzeige 30%  und eine Minute später war das iPad aus. 

Der Akku war defekt und ist inzwischen von Apple getauscht, aber ich bin froh, parallel in die Karte geschaut und Logbuch geführt zu haben. Außerdem habe ich an Bord jetzt ein 2m Lightning Kabel, dimme die Helligkeit und laß öfter mal den Bildschirm aus. Nebenbei bemerkt, habe ich die Apps retundant auch auf dem iPhone als Backup und plane diese Saison die Positionen, Kurs und Wegepunkte auch auf der Karte einzutragen, als Wiedereinstieg in die Küstennavigation.

Was mir auch in Erinnerung bleiben wird, ist das Segeln ohne Motor.  

In Agersø ist mir beim Einbremsen in die Box unerklärlicherweise die Schraube abgeflogen. Keine Chance, Ersatz zu bekommen.

Ergebnis, ich durfte endlich in die – und aus den Häfen segeln, was ich immer schon wollte, also mal raus aus der Comfortzone.

Es hat sich gelohnt, ich trau mich mehr und bei Leichtwind zu üben war ja auch ideal. 

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Video-Link: https://youtu.be/LD5fDBfwqRI

Den Nachteil, keine Motor zu haben, durfte ich am letzten Abend dann auch noch erleben. Laut Logbuch und Navionics habe ich nach einer anfangs netten Schlussfahrt unter Spinnaker die anderen weiter motoren lassen, die wollten unbedingt zu ihren Frauen und auf unserem Campingplatz Loddenhøj grillen. In Sichtweite von Barsø schlief dann der Wind völlig ein und ich trieb ca. 5 Stunden auf der Stelle, bis ich mit einem Hauch Wind einen Kreuzschlag in den Åabenrå Fjord machen konnte. Irgendwann konnte ich wenden und einen letzen nächsten Kreuzschlag nach Barsø fahren. 

Dort wurde es dann noch mal spannend, denn nach über 18 Stunden auf den Beinen bei Hitze war ich sehr übermüdet. Als der Kurs Barsø per Autopilot anlag, die Ostsee still, die Nacht wunderschön, stellte ich den Wecker auf 20 min und döste ein.

Das laue Lüftchen scheint dann doch ein bischen aufgefrischt zu sein, denn der Wecker klingelte, doch ich fuhr nicht mehr. Statt dessen war ich sanft, aber mit Schwung um 3:00 am Südstrand von Barsø aufgelaufen.

Ohne Motor blieb mit in stockfinsterer Nacht nur, alle verfügbaren wasserdichten Säcke im Wasser zu füllen und am ausgebaumten Großbaum seitlich hochzuwinschen, damit Mange Tag kränken konnte. Die zuvor ausgebrachten Anker fassten aber nicht und verholten beim Einholen, also half alles nichts, ich musste ab ins Wasser und kräftig Schieben.

So kam ich wieder frei und segelte um die Landzunge, wo ich in Steinwurfweite zum Hafen ankerte und endlich entspannt schlafen konnte. 

Am nächsten Morgen segelte ich dann in den kleinen Hafen zu meinem Liegeplatz und freute mich im Nachhinein darüber, die beste Stelle für meinen nächtlichen Landfall getroffen zu haben, es hätten immerhin auch Steine sein können.

Wenn auch glimpflich ausgegangen, so war das eindeutig schlechte Seemanschaft und ermahnt mich wie viele andere Fehler, in Zukunft vorrausschauender, umsichtiger und weniger leichtsinnig zu sein.

Alles in Allem war es trotzdem eine sonnige, entspannte, aber auch lehrreiche Herrentour.

 

 

Die drei Grazien; Mange Tak, Volle Pulle und Be Happy 

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